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Ein Video!!!

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Noch mehr Kritiken…

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Juhu – Lemminkäinen wird zerhackt!

Von Michael Chlebusch
Monica Brett-Crowther und André Riemer in Jürgen R. Webers Inszenierung von "Swanhunter" am Theater Chemnitz.

Jonathan Dove: Swanhunter

Premiere: 03.12.2011 (Deutsche Erstaufführung)
Theater: Theater Chemnitz
Homepage: http://www.theater-chemnitz.de

Regie: Jürgen R. Weber
Musikalische Leitung: Domonkos Héja

Lemminkäinen ist ein Held aus dem finnischen Nationalepos Kalevala. Lemminkäinen sucht eine Frau, am besten aus dem Norden, die sollen dort gute haben. Lemminkäinen muss dazu Aufgaben bewältigen, so auch den Schwan auf dem Todesfluss töten. Und Lemminkäinen trägt rosa Turnschuhe und ein Pappschild mit seinem Namen auf dem Kopf. Letzteres zumindest in der Chemnitzer Inszenierung von „Swanhunter“, Jonathan Doves Opernadaption des mythischen Stoffes.

Regisseur Jürgen R. Weber hat mit seinem „Swanhunter“ zum kreativen Rundumschlag ausgeholt. Neben der Inszenierung verantwortet er auch Ausstattung und Bühne. Seine Kostüme sind grob geschnittene und mit schwarzem Filzstift bemalte Wellpapprüstungen, ergänzt von pinkfarbenen Stoffen, Perücken und Kappen. Die Bühne ist ein modulares Spielzimmer. Sie wird samt Zuschauerrängen auf der Drehbühne des Hauses aufgebaut (die sich zuweilen auch dreht) und beinhaltet im Wesentlichen die Musiker auf einem fahrbaren Podest und eine Projektionsleinwand. Auf ihr läuft im Stück ein für sich schon sehenswertes filmisches Begleitprogramm der Videokünstler Devon Elise Atkins und Sven Klaus. Hier werden in Texten Handlungsfetzen erklärt, verstörende Bildcollagen oder witzige Animationen gezeigt und in den Kämpfen die Lebenspunkte von Lemminkäinen und seinen Gegnern gezählt – Weber macht, wie er sagt, Oper auch für die Generation „World of Warcraft“. Das Bühnenbild wird je nach Szene auch mit großen Aufbauten wie dem collagenhaften Teufelspferd bestellt, die weit in die Hinterbühne hineinspielen. Das Meiste findet jedoch direkt vor den Füßen des Publikums statt. Dieses Spiel mit der Nähe ist es auch, was die Kammeroper mit ihrer kleinen Besetzung prägt: Da werden Hände und Requisiten gereicht, wird in Gesichter gesungen und durch die Reihen geturnt. Das schafft auch emotional schnell Verbindung mit Akteuren und Aufführung; saugt den Rezipienten hinein in einen gut 70-minütigen Reigen aus Teufelsritt und Gefühl. So entsteht gleichsam ein Kanon der Darstellungsformen, mit vielen Dopplungen in Wort, Bild und Spiel, aber ohne Redundanz.

Das Kammerorchester unter Domonkos Héja ist mit Violine, Akkordeon, Harfe, Percussion, Horn und Kontrabass eher ungewöhnlich besetzt. Daraus entsteht ein überraschend voluminöser und kraftvoller Klangraum, der gekonnt Doves Mischung aus keltischer Verspieltheit und filmreifer Dramatik fasst. Das Libretto ist dabei eher ein Stichwortkatalog, wenige oft wiederholte Satzfragmente oblegen es den Sängern, den Plot mit Spiel, Stimme und Stimmung zu füllen. Das gelingt der Chemnitzer Besetzung bravourös (was auch der Premierenapplaus honorierte): Monica Brett-Crowther als unwillige Schwiegermutter in spe weiß gekonnt zwischen Gesangsstimmungen zu wechseln. Guibee Yang zeigt sich vielseitig als Chorus und als wunderbare Ursache von Gänsehaut in der Rolle des Schwans. Michael Heim beweist als Lemminkäinen, dass er nicht nur über Stimmgewalt, sondern auch über spielerisch-komisches Talent verfügt. Wenn er seinen „Heiligen Pömpel“ mit Klebeband an eine Lanze wickelt und sich dabei diebisch freut, wird das zum großen Spaß. Den transportierten auch die kleineren Gesangsrollen (André Riemer, Martin Gäbler) sowie die Nebendarsteller oder der Akrobat und Feuerkünstler Felix Häckell.

Erstaunlicherweise kommt Webers „Swanhunter“ damit bei Vertretern aller Generationen an. Diese Inszenierung erreicht sechsjährige Mädchen (große Freude, als Lemminkäinen zerhackt wird) und sechzigjährige Männer (strahlend dabei, mit einem Pappschild in die Rolle der Sonne zu schlüpfen) gleichermaßen. Hier schuf der Regisseur eine dankbar ungewöhnliche Musiktheater-Performance, die Oper in ihren Mitteln zwar nicht unbedingt neu erfindet, aber genügend Innovation vereint, um auch weit über das Abopublikum hinaus zu begeistern.

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Träume auf Pappe

Viele wollten die geheimen Zeichen auf den Kostümen mal näher betrachten.Deshalb hier ein paar Studien dazu. Kommentare und Interpretationen sind immer willkommen.

Lemminkainen von vorn
Lemminkainen von hinten:

Bass, (Schmied, Tods Mutti, Hund), von vorne:

Bass, (Schmied, Tods Mutti, Hund), von hinten:

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Noch ne Kritik!!!!

Für: SWR 2 Journal

Von: Uwe Friedrich

„Swanhunter“ von Jonathan Dove in Chemnitz

Nur sechs Instrumente braucht der englische Komponist Jonathan Dove, um mächtig Druck zu machen. Geige, Kontrabass, Harfe, Schlagzeug, Akkordeon und Horn reichen völlig, um das Leben des finnischen Helden Lemminkainen zu orchestrieren. Vor allem der Hörnerklang schwingt geheimnisvoll nach im Bühnenturm des Chemnitzer Opernhaus. Das Publikum sitzt auf der Bühne und blickt auf die Hinterbühne. Von dort werden die Musiker reingeschoben. Wenn der unternehmungslustige Lemminkainen sich von seiner besorgten Mutter verabschiedet hat, um wilde Abenteuer zu bestehen, setzt sich unmerklich die Drehbühne in Bewegung. Ein verstörender Effekt, wenn Akteure, Musiker und das gesamte Publikum an den Kulissenzügen vorbei in Richtung Eiserner Vorhang schwenken. Dort trifft Lemminkainen auf eine verführerische Frau, die er vom Fleck weg heiraten will, und auf deren Mutter. Die stellt ihm vermeintlich unlösbare Aufgaben, um die Hochzeit zu verhindern. Regisseur und Ausstatter Jürgen Weber inszeniert das brutale Heldenepos mit jeder Menge groteskem Humor. Alle Sänger stecken in knallbunten, comichaften Kostümen, nachgebastelt aus Funduskostümen und viel Wellpappe. Während der Kämpfe zeigen Energiebalken wie im Fantasy-Computerspiel an, für wen es gerade besser oder schlechter läuft. Das Publikum hilft begeistert mit, wenn Lemminkainen seine Wunderwaffe „heiliger Pümpel“ mit viel Klebeband aus einer Toilettensaugglocke und einem Besenstiel zusammensetzen muss. Alle zittern mit dem Helden, wenn er den Teufelselch besiegt, und sind wieder ganz still bei der Klage des geheimnisvollen Schwans auf dem Totenfluss.

 

Mittels schwarzer Luftballons schweben die riesigen Flügel dieses neuen Schwans von Tuonela. Es ist derselbe, den schon Jean Sibelius zum Thema einer symphonischen Dichtung machte. Glücklicherweise ist der Komponist Jonathan Dove klug genug, sich nicht bei seinem finnischen Kollegen zu bedienen. Dove hat auch so genügend Ideen, um das Publikum auf eine anregende musikalische Reise zu schicken. Dirigent Domonkos Heja lädt die Anklänge an skandinavische Volksmusik rhythmisch auf, lässt die elegischen Passagen sanft strömen und gibt den leitmotivisch eingesetzten Melodien mit den sechs Musikern starke Kontur. Zudem wird sehr gut gesungen, vor allem der Tenor Michael Heim erfreut als Held Lemminkainen, die Finnin Tiina Penttinen ist in dieser Sagenwelt ohnehin zu Hause, Monica Brett-Crowther gibt der bösen Brautmutter furchterregenden Schärfe. Mit den blutrünstigen Effekten der gängigen Computerspiele kann diese Oper auf jeden Fall mithalten. Zum Schluss wird Lemminkainen nämlich von einem blinden Krieger erschossen, mit dem Hackebeil zerteilt und verscharrt, dann aber von seiner Mutter wieder ausgegraben, zusammengenäht und zu neuem Leben erweckt. Dann ist die Oper nach einer guten Stunde schon wieder vorbei. Dass diese seit Jahrhunderten überlieferte Geschichte aus dem Kallevala-Epos die finnische Jugend verdorben hätte, ist nicht überliefert. In dieser neuesten Version als Fantasy-Oper hat sie aber auf jeden Fall das Zeug dazu, auch kommende Generationen nicht nur blendend zu unterhalten, sondern darüber hinaus für die immer wieder quicklebendige Kunstform Oper zu begeistern.

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Eine Kritik, eine Kritik!!!

Montag, 5. Dezember 2011
(Chemnitzer Morgenpost)

Heiliger Pömpel

Von Ch. Hamann-Pönisch

Kurzentschlossen zerrt sich Held Lemminkainen von Mutti los: Die benzinschlauchähnliche Nabelschnur reißt, er muss hinaus, sich endlich eine Frau besorgen.

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„Swanhunter“: märchenhaftes, manchmal zauberisch- artistisches Theatergaudi auf der Drehbühne im Opernhaus Chemnitz. Foto: Wuschanski

Chemnitz. Die Nordfrauen sollen gut sein. Aber Mama warnt: „Wenn Blut (am Dolch in der Holztür), dann tot.“ Was kümmert’s den Heißsporn. Die ururalte finnische Sage hat Komponist Jonathan Dove 2009 als Fantasy-Oper im englischen Leeds vorgestellt. Die deutsche Erstaufführung von Jürgen R. Weber (auch Ausstattung) am Sonnabend in der Oper Chemnitz wurde mit feurigem Publikumsbravobeifallgetrappel belohnt.Warum? Nun, man erfährt erstens viel über die Finnen. Das uns eigentlich fremde Völkchen entstammt offenbar einer erotischen Beziehung zwischen rotmähnigkämpferischen Wikingern und feuerwasserbenebelten Dakotaindianern. Es trägt Lederkappe mit Namensschild, mag Schlabberklamotten, hat null Ahnung vom Schminken, aber liebt Kriegsbemalung. Unverdrossen kämpft der triebgesteuerte Held mit Pfeil, Bogen und „Heiligem Pömpel“, einem umweltfreundlichen Abflussreinigungsgerät. Und man grübelt, wieso das Land 1995 in die EU eintreten konnte.

Zweitens lernt man die Frauen besser kennen: Die zeigen stolz ihre Möpse in eigentümlichen „Brusthaltern“ aus Pappe, lassen sich aber keineswegs vom Manne einfach in die Hütte abschleppen. Lemminkainen muss vorher Tiere, Tod und einen Blinden besiegen, wird blutig zerhackstückt, ist in Kotelettform auch nicht gerade ein Frauentyp – und landet dann zusammengenäht und gut gelaunt doch wieder bei Mutti.

Und drittens? Erstmals war zu sehen, wie sich selbst Hauptdarsteller Michael Heim (als Lemminkainen hübsch lässig und schlitzohrig) das Feixen kaum verkneifen konnte: Webers Frauen- und Schwanenjagd zu frischen, in Bann ziehenden Klängen und Gesängen ist ein märchenhaftes, vor allem aber ulkiges Theatergaudi – Commedia Finlandia nach Art des selbst gebastelten Kochtopfputzlappentheaters. Überaus finnisch in Topform waren Domonkos Héja (auf Dirigentenhochsitz) mit sechs Schumann-Philharmonikern und drumherum ein aufgedrehtes Ensemble mit Tiina Penttinen (echte Finnin!), Guibee Yang, André Riemer, Monica Brett-Crowther und Martin Gäbler. Obenrum Video, auch vom Todesfluss, der dem hiesigen Schloßteich sehr ähnelt. Ach, Finne kann jokainen (jeder): Wer mitwirken will, als Sonne oder Lebensvögelein – Randplätze buchen!

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